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„Ich kann ohne Singen nicht leben“


Elena Knapp wohnt im Pfarrhaus, singt in Kirchen und gastiert auf internationalen Bühnen...

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Ein Bericht von Ute Glaser

Kürten - Kultur

Mit Ehrgeiz und Stimmvolumen

Kölner Stadtanzeiger vom 28.08.12


Elena Knapp ist ausgebildete Sängerin.
Foto:
Manfred Esser

Durch das offene Portal tönt eine ausdrucksstarke, volltönende Frauenstimme. Eine Gruppe Wanderer bleibt stehen, um zu lauschen.

Für den Fototermin hat Elena Knapp in der Dellinger Kirche eine Arie anstimmt.

Im Juli trat die Mezzosopranistin bei den Kürtener Sommerkonzerten auf. Seit dreieinhalb Jahren lebt die Russin in Kürten. Auf einer Konzertreise lernte die heute 40-Jährige ihren Mann kennen.

„Wir waren uns sympathisch und hielten Kontakt“, erzählt Pfarrer Ralph Knapp. Im Laufe der Zeit wurde mehr daraus.„Die Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, war nicht einfach, mit einem Schlag war alles neu“, erinnert sich Elena Knapp. „Doch so langsam werde ich auch hier bekannter, und es sieht beruflich besser aus.“

Wann sie ihre Leidenschaft fürs Singen entdeckt hat, daran kann sich Elena Knapp nicht mehr erinnern. „Ich habe schon immer gesungen“, erzählt sie. Als in der Grundschule in Perm die Lehrerin fragt, wer in die Musikschule will, meldet sie sich. „Die Schule war ziemlich hart“, berichtet Elena Knapp. Sie hatte dreimal in der Woche Klavierunterricht, Musiktheorie und -geschichte, dazu Chorgesang – zusätzlich zum normalen Unterricht. „Obwohl wir ein Klavier zu Hause hatten, habe ich wenig geübt“, sagt die Musikerin. „Heute wünschte ich, meine Mutter hätte mich mehr dazu gezwungen.“

Doch mit dem Singen war erst einmal im Alter von elf Jahren Schluss. „Ich kam in einen regelrechten Stimmbruch. Sprechen ging noch ganz normal, aber singen ging gar nicht“, erzählt sie. „In Sängerkreisen heißt es, das sei ein Hinweis darauf, dass sich in der Pubertät eine gute Gesangsstimme entwickelt.“ Heute hat die Mezzosopranistin ein Stimmvolumen von zweieinhalb Oktaven.

Erst nach dem Schulabschluss, als sie bereits Jura studierte, begann Elena Knapp wieder mit dem Singen. „Ich habe eine Liturgie von Rachmaninow gehört und wollte unbedingt in einem russisch-orthodoxen Kirchenchor singen“, so die 40-Jährige. Das war zu einer Zeit, als in Russland noch die atheistische Staatsideologie vorherrschte, gar nicht so einfach. Schließlich fand sie einen Chor, wurde aber erst nach dem zweiten Vorsingen aufgenommen. „Es ist falsch, dass du Jura studierst, du musst singen“, bekam die Mezzosopranistin dort bald zu hören. „Darüber habe ich viel nachgedacht und mich entschieden, mein Studium abzubrechen und zum Musikcollege zu gehen. Sehr zum Entsetzen meines Vaters“, erzählt Elena Knapp.

Die Ausbildung absolvierte sie in drei statt vier Jahren mit Auszeichnung. Danach folgte das Studium am Konservatorium in Jekaterinenburg. Auch das beendete sie im Schnelldurchgang, benötigte vier statt fünf Jahre. „Ich wollte einfach ein bisschen Zeit sparen“, sagt sie lachend. In ihrer Entscheidung für die Gesangsausbildung wurde Elena Knapp von Larissa Gergiewa, der Schwester von Waleri Gergiew, dem Dirigenten des St. Petersburger Marinskij-Theater unterstützt. „Sie war Repetitorin im Opernhaus und ich hatte sie gefragt, ob es sich für mich lohnt diesen Beruf zu ergreifen“, erzählt die Mezzosopranistin. Die Antwort war nicht nur ein eindeutiges „Ja“, vielmehr wollte sie die junge Sängerin schon vor dem Ende ihrer Ausbildung nach St. Petersburg holen. „Aber ich habe überlegt, was mein Vater sagen würde, und mein Studium erst einmal abgeschlossen.“ Erst danach ging sie an das Marinskij-Theater, wo Larissa Gergiewa eine Akademie für junge Opernsänger führte.

Schon während ihrer Ausbildung trat Elena Knapp öffentlich auf. „Während meiner zwei Jahre am Musikcollege in Perm sang ich alles, was ich bekommen konnte, insgesamt 13 Rollen“, so die Künstlerin. Es folgten zahlreiche Auftritte am und mit dem Marinskij-Theater und anschließend als Ensemblemitglied des Mussorgsky Theaters, an das sie nach drei Jahren wechselte.

Doch zum Leben reichten die Gagen nicht, deshalb ging Elena Knapp auf Konzertreisen, die sie auch ins europäische Ausland führten. Das Programm solcher Engagements reichte von Kirchenmusik über Arien aus Opern und Operetten. Die Arien studiert sie zu Hause ein, die Opernrollen werden zusätzlich mit einem Repetitor im Theater geübt.

Aber auch die Darstellung der jeweiligen Person ist wichtig. „Ich schlüpfe beim Lernen in die Rollen hinein und fühle, worum es geht“, erklärt Elena Knapp. Die Titelrolle des Orpheus in Christoph Willibald Glucks gleichnamiger Oper hat sie bisher am meisten berührt. Drei Wochen brauchte sie, um die Rolle zu beherrschen. „Ich glaube, ich würde es auch in zwei Wochen schaffen, ist bin ehrgeizig und mein Gedächtnis ist gut trainiert“, sagt sie.

Im Juni trat sie in St. Peterburg bei der Open-Air-Aufführung auf der Peter-und-Paul-Festung in der russischen Oper „Ein Leben für den Zaren“ auf. Anfragen aus Russland bekommt sie regelmäßig, in Deutschland ist sie noch nicht so bekannt. „Hier muss ich mir erst ein Netzwerk aufbauen“, sagt Elena Knapp. Als sie nach Kürten zog, musste sie nicht nur Deutsch lernen, sondern suchte sich auch einen Repetitor, der mit ihr den Gesangsausdruck übte. Elena Knapp: „Die Modulation im Deutschen ist ganz anders als im Russischen.“

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